Stefan Herre: Die unerträglichen Qualen südamerikanischer Pferde für die deutsche Schweinezucht

Pressemitteilung - Stuttgart, den 15.01.2018

Der Bedarf an Schweinefleisch in Deutschland ist groß. Da verwundert es nicht, dass bei der Tierzucht mit Hormonen nachgeholfen wird. 2015 wurde bekannt, dass dafür das umstrittene Medikament PMSG (Pregnant Mare's Serum Gonadotropin) eingesetzt wird. Die AfD-Fraktion stellte einen Antrag (3149) an die Landesregierung und bat um eine Stellungnahme zum PMSG-Einsatz in Baden-Württemberg. „Die Antwort des Umweltministeriums ist ernüchternd“, resümiert Stefan Herre. „Die Regierenden schieben die Verantwortung an die Pharmaindustrie ab. Sie müsse dafür sorgen, dass bei der Herstellung von PMSG tierschutzrechtliche und tiergesundheitsrechtliche EU-Standards eingehalten werden.“ Wohlwissend, dass das EU-Recht in Drittstaaten nicht gilt. „Ich erinnere daran, dass die Grünen die Mehrheit in Baden-Württemberg haben und hier ihre eigenen Ideale – den Tier- und Umweltschutz – verraten. Sie nehmen tatenlos hin, dass Pferde wochenlang gequält und ausgebeutet werden“, so Stefan Herre.

Jedes dritte Pferd stirbt bei der Gewinnung von Blut

Für die Herstellung von PMSG ist das Blut trächtiger Stuten erforderlich. Das wird auf Blutfarmen in Südamerika in großem Stil „gewonnen“. Ein Drittel der Tiere stirbt nach dieser Prozedur, der Rest erleidet – gewollt oder als Folge – eine Fehlgeburt. Die Landesregierung erklärt, dass man den Sachverhalt während der Länder-Agrarministerkonferenz im April 2016 beraten habe. Doch das Ergebnis ist enttäuschend, denn es besteht aus vorsichtig formulierten Konjunktiven. Stefan Herre fasst zusammen: „Man habe den Bund gebeten, auf die Einhaltung von EU-Tierschutz-Standards in Südamerika hinzuwirken. Dass diese Bitte völlig ineffektiv blieb, ist offensichtlich, denn auch fast zwei Jahre nach der Konferenz kommt PMSG auch weiterhin in vielen Betrieben zum Einsatz.“ In Deutschland seien noch immer sechs Tierarzneimittel zugelassen, die PMSG enthalten, erklärt das Umweltministerium. Seiner Kenntnis nach lägen derzeit keine Voraussetzungen vor, die nach nationalem Recht ein Verbot des Inverkehrbringens rechtfertigen würden. „Der brutale Umgang mit trächtigen Pferden und der Tod ihrer Embryos werden demnach vom Umweltministerium als akzeptabel angesehen“, empört sich Stefan Herre.

Baden-württembergische Verantwortung, um das Leid der Stuten zu beenden

Stefan Herre sieht hier eine besondere Verantwortung der Landesregierung. Denn im Bereich der Schweinehaltung belegt Baden-Württemberg mit 2,7 Millionen Schweinen den vierten Platz im Bundesländervergleich. „Von unserem Bundesland muss unbedingt großer Druck ausgehen, um das Leid der Stuten endlich zu beenden. Denn wir haben die notwendige landwirtschaftliche Bedeutung, die erforderlich ist, um auf bundesweiter Ebene etwas zu bewirken“, erinnert Stefan Herre. Wie schnell man etwas verändern kann, zeigt die Schweiz. Nach Bekanntwerden der rücksichtslosen Umstände, unter denen PMSG hergestellt wird, ging der Verbrauch um 82 Prozent zurück. Dem baden-württembergischen Umweltministerium lägen dazu keine Informationen vor. Vielmehr versteckt man sich stolz hinter Initiativen, die den Konsum von landwirtschaftlichen Produkten aus der eigenen Region stärken sollen. „Die Verantwortlichen brüsten sich beispielsweise mit ihrem Bio-Zeichen. So lobenswert die Stärkung der regionalen Landwirte ist, darf man sich seiner globalen Verantwortung nicht entziehen“, fordert Herre. Dem schließen sich seine Kollegen Klaus Dürr, Lars Patrick Berg, Udo Stein und Thomas Axel Palka an, die den Antrag ebenfalls unterzeichnet haben.


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